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Gestüt Schlenderhan: Deutschlands ältestes Privatgestüt im Porträt

Gestüt Schlenderhan – Historisches Bild des Gestüts Schlenderhan in Bergheim, dem ältesten deutschen Privatgestüt mit langer Zuchttradition.

Das Gestüt Schlenderhan ist weit mehr als nur ein Pferdezuchtbetrieb; es ist eine Institution des deutschen Galopprennsports und gilt als Deutschlands ältestes Privatgestüt. Seit seiner Gründung im Jahr 1869 prägt es die deutsche Vollblutzucht wie kaum ein anderes Gestüt und hat eine beeindruckende Reihe von Derby-Siegern und Champion-Vererbern hervorgebracht, deren Namen jedem Turf-Kenner geläufig sind.

Merkmal Details
Gründung 1869
Gründer Eduard von Oppenheim
Aktueller Besitzer Karin Baronin von Ullmann (Familie von Ullmann)
Lage Bergheim, Nordrhein-Westfalen
Bekannt für Ältestes Privatgestüt Deutschlands, zahlreiche Derby-Sieger, Champion-Vererber
Einige berühmte Pferde Oleander, Schwarzgold, Ticino, Acatenango, Lando, Manduro, Adlerflug, Windstoß, Weltensegler
Gestütsleiter (Stand 13. Juli 2026) Gebhard Apelt

Die Anfänge: Eine Vision wird Wirklichkeit

Das Gestüt Schlenderhan wurde 1869 von dem Bankier Eduard von Oppenheim gegründet, der damit den Grundstein für eine der erfolgreichsten Zuchtstätten Europas legte. Von Oppenheim, ein passionierter Pferdeliebhaber und Visionär, wählte das Gelände in Bergheim bei Köln aufgrund seiner idealen Bodenbeschaffenheit und der guten klimatischen Bedingungen für die Pferdezucht aus. Sein Ziel war es, Vollblüter zu züchten, die nicht nur auf deutschen Rennbahnen, sondern auch international bestehen konnten. Diese frühe Vision prägt das Gestüt bis heute und ist ein entscheidender Faktor für seinen anhaltenden Erfolg im Rennsport.

Bereits in den ersten Jahrzehnten etablierte sich Schlenderhan als führende Adresse für die Vollblutzucht. Die sorgfältige Auswahl der Zuchtstuten und Deckhengste, oft mit englischem oder französischem Blut, bildete die Basis für die Entwicklung einzigartiger und erfolgreicher Blutlinien. Die Philosophie von Oppenheims, Qualität über Quantität zu stellen und auf eine langfristige Zuchtstrategie zu setzen, zahlte sich aus und legte das Fundament für die späteren Triumphe.

Legendäre Pferde und Derby-Erfolge

Die Geschichte des Gestüts Schlenderhan ist reich an legendären Pferden, die sich in die Annalen des Galopprennsports eingeschrieben haben. Einer der ersten Superstars war Oleander, geboren 1924, der sechs Mal den Großen Preis von Baden gewann und 1927 das Deutsche Derby für sich entschied. Oleander wurde später ein herausragender Deckhengst und prägte Generationen von Rennpferden. Seine Erfolge zeigten eindrucksvoll die Qualität der Schlenderhaner Zucht und festigten den Ruf des Gestüts als Talentschmiede.

Nach Oleander folgten weitere Ausnahmepferde wie Schwarzgold (geboren 1937), die 1940 die Triple Crown der Stuten gewann und ebenfalls das Deutsche Derby für sich entschied. Auch sie wurde eine bedeutende Zuchtstute. Ticino (geboren 1938), ein weiterer Derby-Sieger von 1942, reihte sich in die Riege der Schlenderhaner Legenden ein und wurde zu einem der einflussreichsten Vererber seiner Zeit. Diese Pferde waren nicht nur auf der Rennbahn erfolgreich, sondern legten auch den Grundstein für die berühmten Zuchtlinien, die Schlenderhan bis heute pflegt.

In der Nachkriegszeit setzte sich die Erfolgsserie fort, insbesondere mit dem Champion-Vererber Birkhahn (geboren 1949). Er produzierte zahlreiche Sieger und trug maßgeblich zur Stärke der deutschen Vollblutzucht bei. Später glänzten Pferde wie Surumu und vor allem Acatenango (geboren 1982), der 1985 das Deutsche Derby gewann und als Deckhengst zu einem der bedeutendsten Vererber der Nachkriegszeit avancierte. Acatenango-Nachkommen gewannen unzählige Gruppe-Rennen und prägten das Bild des deutschen Galopprennsports über Jahrzehnte. Du kannst mehr über die Bedeutung von Deckhengsten in der Zucht in unserem Artikel über Monsun, den Jahrhundert-Vererber, nachlesen.

Ein weiteres Highlight war Lando (geboren 1990), der nicht nur den Großen Preis von Baden, sondern auch den Japan Cup, eines der höchstdotierten Rennen der Welt, gewann. Er demonstrierte die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schlenderhaner Zucht. Jüngere Derby-Sieger wie Adlerflug (2007), Isfahan (2016), Windstoß (2017) und Weltensegler (2020) bestätigen die anhaltende Dominanz des Gestüts im deutschen Klassikergeschehen und beweisen, dass die Zuchtphilosophie auch im 21. Jahrhundert Früchte trägt.

Die Familie von Ullmann: Kontinuität und Moderne

Nach dem Tod von Eduard von Oppenheim im Jahr 1909 wurde das Gestüt Schlenderhan von seinen Nachkommen weitergeführt. Die Familie von Oppenheim blieb über Generationen hinweg eng mit der Vollblutzucht verbunden. Heute steht das Gestüt unter der Leitung von Karin Baronin von Ullmann, einer Enkelin Eduard von Oppenheims, und ihrem Sohn Philip von Ullmann. Sie führen das Erbe mit großem Engagement und Weitsicht fort. Die Familie von Ullmann hat es geschafft, die traditionellen Werte und die bewährten Zuchtprinzipien mit modernen Erkenntnissen und Managementmethoden zu verbinden.

Unter ihrer Ägide hat Schlenderhan nicht nur seine Stellung als führendes Gestüt behauptet, sondern auch neue Wege beschritten, um den Herausforderungen des modernen Rennsports und der internationalen Zuchtlandschaft gerecht zu werden. Die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Trainern und Zuchtexperten ist dabei ein Schlüsselfaktor für den anhaltenden Erfolg.

Deckhengste und Zuchterfolge heute

Das Gestüt Schlenderhan ist auch heute noch bekannt für seine hochkarätigen Deckhengste, die einen wesentlichen Einfluss auf die deutsche und europäische Vollblutzucht ausüben. Namen wie Adlerflug, der leider viel zu früh verstarb, aber als Vererber von Arc-Sieger Torquator Tasso (mehr dazu in unserem Porträt von Torquator Tasso) und zahlreichen weiteren Gruppe-Pferden in Erinnerung bleibt, unterstreichen die Qualität der Schlenderhaner Hengstriege. Weitere bedeutende Hengste, die in Schlenderhan stationiert waren oder sind, umfassen Tertullian und Manduro, die ebenfalls ihre Spuren in den Pedigrees hinterlassen haben.

Die Zuchtstrategie konzentriert sich weiterhin auf die Kombination bewährter deutscher Stutenlinien mit international erfolgreichen Hengsten, um Pferde mit Ausdauer, Klasse und einem starken Rennwillen zu produzieren. Diese sorgfältige Planung und die tiefe Kenntnis der Blutlinien sind entscheidend für die kontinuierlichen Erfolge auf höchstem Niveau.

🎯 Baden-Galopp-Einordnung:

Das Gestüt Schlenderhan ist ein Eckpfeiler des deutschen Galopprennsports. Seine über 150-jährige Geschichte ist eine Chronik von Zuchterfolgen, die ihresgleichen sucht. Die Fähigkeit, über Generationen hinweg Spitzenpferde zu produzieren, die sowohl in den Klassikern als auch auf internationaler Bühne bestehen, zeugt von einer einzigartigen Zuchtphilosophie und einem tiefen Verständnis für das Vollblut. Schlenderhan hat nicht nur den Sport geprägt, sondern auch die genetische Basis vieler deutscher Rennpferde entscheidend mitgestaltet. Es ist ein lebendiges Denkmal für Tradition und Exzellenz in der Pferdezucht.

Häufige Fragen zum Gestüt Schlenderhan

Wem gehört Gestüt Schlenderhan heute?

Das Gestüt Schlenderhan befindet sich weiterhin im Besitz der Familie von Ullmann, den Nachkommen des Gründers Eduard von Oppenheim. Es wird heute von Karin Baronin von Ullmann und ihrem Sohn Philip von Ullmann geführt. Diese Kontinuität im Familienbesitz über mehr als 150 Jahre ist eine Besonderheit im internationalen Rennsport und ein wichtiger Faktor für die Beständigkeit der Zuchtphilosophie und die langfristige Ausrichtung des Gestüts.

Steht das Gestüt Schlenderhan zum Verkauf oder wird es geschlossen?

Nein, das Gestüt Schlenderhan steht nicht zum Verkauf und wird auch nicht geschlossen. Gerüchte über einen Verkauf oder eine Schließung tauchen immer wieder auf, sind aber unbegründet. Zwar gab es in der Vergangenheit Anpassungen in der Betriebsführung und der Trainingsorganisation, die zu Spekulationen führten, doch der Kernbetrieb des Gestüts als Vollblutzuchtstätte in Familienbesitz bleibt bestehen. Es ist ein aktiver und vitaler Bestandteil des deutschen Galopprennsports.

Welche berühmten Deckhengste sind im Gestüt Schlenderhan stationiert?

Das Gestüt Schlenderhan ist bekannt für seine Auswahl an hochkarätigen Deckhengsten, die die deutsche Zucht maßgeblich beeinflusst haben. Zu den berühmtesten Vererbern der jüngeren Geschichte gehören Adlerflug, der tragischerweise früh verstarb, aber mit Torquator Tasso den Arc-Sieger von 2021 stellte, sowie Manduro und Tertullian. Die genaue Liste der aktuell stationierten Deckhengste kann sich saisonal ändern. Für die neuesten Informationen empfiehlt es sich, die offizielle Website von Deutscher Galopp oder Fachmedien wie Turf-Times zu konsultieren, die regelmäßig über Deckpläne berichten.

Kann man das Gestüt Schlenderhan besichtigen?

Das Gestüt Schlenderhan ist ein privater Zuchtbetrieb und in der Regel nicht öffentlich für Besichtigungen zugänglich. Es gibt keine regulären Führungen oder Besucheröffnungszeiten für die Allgemeinheit. Ausnahmen können bei speziellen Branchenveranstaltungen wie Hengstparaden oder Auktionstagen gemacht werden, die jedoch vorwiegend Fachpublikum vorbehalten sind. Interessenten sollten sich bei spezifischen Anfragen direkt an das Gestüt wenden oder Informationen über Fachverbände einholen.

Wie nimmt man Kontakt zum Gestüt Schlenderhan auf?

Für geschäftliche Anfragen oder spezifische Informationen zum Gestüt Schlenderhan kann man über die offiziellen Kanäle Kontakt aufnehmen. Eine direkte Adresse und Telefonnummer findest du in der Regel auf der Website von Deutscher Galopp e.V. unter dem Eintrag für das Gestüt Schlenderhan. Alternativ sind auch Kontaktmöglichkeiten über Fachmedien wie Turf-Times oder die Baden-Badener Auktionsgesellschaft (BBAG), mit denen Schlenderhan eng zusammenarbeitet, denkbar.

Maik Möhring

Maik Möhring

Chefredakteur · Rennberichte, Große Rennen & Wett-Wissen

Maik Möhring ist Gründer und Chefredakteur von Baden-Galopp. Er verantwortet die Berichterstattung zu den großen Rennen – vom Deutschen Derby bis zum Großen Preis von Baden – sowie das Wett-Wissen-Ressort. Sein Anspruch: jede Zahl belegt, jede Quote mit Stand-Datum, kein Buchmacher-Sprech.

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